New Work: Nur ein Modewort – oder steckt mehr dahinter?

New Work: Nur ein Modewort – oder steckt mehr dahinter?

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Artikel von HR Today

 

6 Uhr morgens, irgendwo auf der Welt. Duschen. Hastig ein paar Löffel Müsli runterschlingen. Jacke schnappen. Schuhe binden. Los geht’s. In der U-Bahn dichtes Gedränge. Hektisch zwängen sich die Menschen in die überfüllten Wagons. Auf den Strassen kilometerlange Staus. Alle haben das gleiche Ziel – das Büro.

Man setzt sich an den Bildschirm, checkt die Agenda für den Tag, nimmt an Meetings teil und macht sich um 17 Uhr wieder auf den langen Heimweg. Am nächsten Tag wiederholt sich ­dieses Schauspiel.

Zugegeben, ein sehr überspitzes Bild und doch sind die Szenen aus den Zeiten vor der Pandemie bekannt. Im Nachhinein stellen sich viele die Frage, wieso wir uns täglich diesen Umständen ausgesetzt haben.

Durch die Pandemie haben wir gelernt, dass es auch anders geht. Die Mitarbeitenden wollen die neu gewonnenen Annehmlichkeiten, die das Homeoffice mit sich bringt und die damit verbundene Flexibilität nicht mehr aufgeben. Klar ist, die Welle der Veränderung lässt sich nicht aufhalten.

 

Was genau ist New Work überhaupt?

Darüber liesse sich vermutlich nächtelang ­philosophieren. Die Interpretationen gehen weit auseinander. Doch New Work ist mehr als nur ein Buzzword. New Work ist ein Paradigmenwechsel und meint im unternehmerischen Kontext das Aufbrechen von alten Gewohnheiten, das Hinterfragen von bisherigen Organisationsstrukturen und eine neue Interpretation von ­Führung. Es beschreibt einen vollumfänglichen Veränderungsprozess. Dabei stehen der Mensch und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt.

New Work beschränkt sich nicht auf den Bürohund, die Tischtennisplatte oder die Bierzapfanlage in der Teeküche. Eine oberflächliche und eindimensionale Betrachtungsweise führt dazu, dass solche Veränderungsprozesse häufig scheitern. Auch geht es nicht darum, die Arbeit der ohnehin privilegierten «White Collar Workers» noch komfortabler zu gestalten, sondern vielmehr darum, das Arbeitsumfeld aller Menschen angenehmer zu machen.

 

Die Pandemie als Treiber der New Work Bewegung

Die New Work-Bewegung aus den 70er-Jahren vom Philosophen Frithjof Bergmann wurde auch schon vor der Pandemie viel thematisiert. Doch das Thema hat in den letzten zwei Jahren nochmal deutlich an Bedeutung gewonnen. Viele Menschen hinterfragen ihre aktuelle Situation: «Was möchte ich wirklich?» Durch diese Betrachtungsweise entwickelt sich ein neues Verständnis und Arbeit wird zu etwas, das den Menschen stärken soll, statt ihn zu schwächen, so wie es auch Bergmanns Kerngedanke war.

In Gesprächen mit Führungskräften ist häufig die Rede von einem «return to work». Dies verdeutlicht, dass das Verständnis des Paradigmenwechsels noch längst nicht überall verankert ist. Die Covid-Pandemie und der digitale Fortschritt haben jedoch gezeigt, dass es einen «return to work» in der Form nicht mehr geben wird. Aktuelle Studien belegen, dass weltweit mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden sogar mit dem Gedanken spielen den Job zu wechseln, sollte der Arbeitnehmer keine flexiblen Arbeitsbedingungen anbieten. Die Vorteile liegen auf der Hand: eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freunden, mehr Selbststimmung, eine höhere Flexibilität und Video-Calls in Pyjamahosen.

 

Wir müssen unser Arbeitsumfeld neu denken

Die Pandemie hat uns aufgezeigt, wie sehr sich Menschen nach Austausch und persönlichen Begegnungen sehnen. Dazu braucht es Räume. Doch wie müssen die aussehen- und wozu werden wir diese Räume nutzen? Bei der Gestaltung moderner Arbeitswelten geht es um deutlich mehr als nur um die Gewichtung der Arbeitszeit zwischen Homeoffice und Büro. Ein intelligent konzipiertes Raumkonzept soll Unternehmen dabei helfen, ihre Flächen schnell und effizient an konstant wechselnde Anforderungen anzupassen. Gleichzeitig soll es den Mitarbeitenden ein Umfeld bieten, in denen Produktivität, Kreativität und Innovation gelebt werden können.

Jedes Unternehmen muss für sich Orte der Arbeit kreieren, welche die Werte und die Unternehmenskultur widerspiegeln. Dafür müssen die richtigen Fragen gestellt und anschliessend mutig beantwortet werden. Wie verändert sich unser Business? Wie wollen wir künftig arbeiten? Wie machen wir unsere Kultur sichtbar? Welche Art von Führung möchten wir etablieren? Für welchen Tätigkeiten kommen unsere Mitarbeitenden überhaupt noch ins Büro?

 

In Zukunft ist das Büro ein Ort der Zusammenarbeit, der Zugehörigkeit und ein Ort, an dem Kreativität und gemeinsames Lernen gefördert wird. Nur wer sich heute mit diesen Fragen beschäftigt, wird zukunftsfähig sein.

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