Positive Effekte einer gelungenen Trennungskultur

Positive Effekte einer gelungenen Trennungskultur

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Artikel von Abdullah Redzepi und Michael Hasler von newplace im HR PROFI von Weka

 

Trennungen sind im beruflichen Kontext oft unausweichlich, und in der heutigen schnelllebigen und dynamischen Arbeitswelt sind sie keine Seltenheit. Ob es sich um Kündigungen oder berufliche Umstrukturierungen handelt: Trennungen sollten weder gefürchtet noch vermieden werden. Stattdessen bietet eine positive Trennungskultur die Möglichkeit, schwierige Situationen konstruktiv zu bewältigen, persönliche Weiterentwicklung zu fördern und berufliche Beziehungen auf eine neue Ebene zu heben.

 

Tabuthema «Trennung» in der Arbeitswelt

Leider werden Trennungen immer noch oft mit negativen Assoziationen wie Schmerz, Verlust und finanziellen Belastungen verbunden. Für viele HR-Fachpersonen, Führungskräfte und Betroffene sind Trennungsprozesse mit Herausforderungen und emotionalen Belastungen verbunden. Das Thema «Trennung» wird noch immer als Tabu behandelt und gehört zu jenen Themen, die nicht präventiv durchdacht und offen an- und besprochen werden.

Die Auswirkungen einer ungünstigen Trennungskultur können beträchtlich sein und das Unternehmen im «worst case» viel Geld kosten. Neben den offensichtlichen Kosten wie Sozialplänen, Abfindungen, Training, Beratung, Outplacement und Gerichtskosten sind die verdeckten Kosten oft bedeutender. Diese umfassen Fluktuationskosten, Fehl- zeiten, Verschlechterung des Betriebsklimas sowie Imageverlust bei Partnern, Kunden und potenziell künftigen Mitarbeitenden. Eine gelungene Trennungskultur kann nicht nur die negativen Auswirkungen minimieren, sondern auch positive Effekte auf Individuen und Organisationen haben.

 

Kommunikation als Schlüssel zum erfolgreichen Trennungsprozess

Eine gelungene Trennungskultur erfordert eine klare Kommunikation und Transparenz. Sowohl direkt als auch indirekt Betroffene sollten frühzeitig über anstehende Veränderungen informiert werden. Offene Kommunikation bezüglich wirtschaftlicher, organisatorischer oder strategischer Hintergründe schafft Klarheit und ermöglicht es den Betroffenen, die Situation aus einer informierten Perspektive zu betrachten.

Laut einer Studie des Harvard Business Reviews (2019) ergab sich bei 84% der befragten Arbeitnehmenden eine höhere Zufriedenheit mit dem Trennungsprozess, wenn Mitarbeitende frühzeitig über die Situation informiert wurden und klare Gründe für die Trennung erhielten. Eine transparente Kommunikation hilft dabei, Gerüchte und Unsicherheiten zu vermeiden, was das Vertrauen in die Entscheidungen stärkt.

Es ist entscheidend, dass die Gründe für die Trennung deutlich und sachlich kommuniziert werden. Durch den Austausch von Informationen können alle Beteiligten besser verstehen, warum die Trennung notwendig ist und wie die weiteren Schritte aussehen werden. Klare Kommunikation hilft auch dabei, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrau- en der Mitarbeitenden in die Organisation zu stärken.

 

Support im Trennungsprozess: Investition in die Zukunft

Eine gelungene Trennungskultur zeichnet sich durch Unterstützung und Begleitung für die betroffenen Mitarbeitenden aus. Viele Unternehmen bieten mittlerweile Karriereberatung, Outplacements, Standortbestimmungen, Schulungen oder psychologische Unterstützung an, um gekündigten Mitarbeitenden zu helfen. Solche Massnahmen zollen den Betroffenen den nötigen Respekt und Wertschätzung, reduzieren die emotionalen Belastungen und ermöglichen es ihnen, gestärkt aus der Trennung hervorzugehen und sich der beruflichen Neuorientierung zu widmen. Indem Arbeitgebende sich verpflichten, Ressourcen anzubieten, den von einer Trennung betroffenen Personen bei der Bewältigung der Veränderungen zu helfen, zeigen sie ihre Fürsorge und Engagement für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden. Durch diese Investition in die Zukunft der Betroffenen nehmen Unternehmen ihre soziale Verantwortung wahr und können die Reputation als Arbeitgebende positiv begünstigen.

Die Art und Weise, wie ein Unternehmen mit Trennungen umgeht, kann die Beziehung zu den verbleibenden Mitarbeitenden, den sogenannten Survivors stark beeinflussen. Wenn die Survivors sehen, dass das Unternehmen von Trennung betroffene Mitarbeitende während des Trennungsprozesses unterstützt und respektvoll behandelt, gewinnen sie Vertrauen in die Unternehmensführung. Dieses Vertrauen kann zu einer langfristigen Bindung von Mitarbeitenden führen, da sie das Gefühl haben, dass das Unternehmen sie in schwierigen Zeiten nicht im Stich lässt. Und in Zeiten der angespannten Fachkräftesituation und höheren Fluktuationsraten sind langfristige Mitarbeitende umso mehr wertvolle Ressourcen für ein Unternehmen, da sie Erfahrung und Fachwissen mitbringen und zur Kontinuität des Geschäftsbetriebs beitragen.

 

Chancen für Neuanfang, Innovation und verbesserte Reputation

Das Wort «Trennung» bildet an sich gewissermassen einen «Endpunkt». Dennoch bietet eine gelungene, positive Trennungskultur Chancen und Raum für Neuanfänge und in- novative Veränderungen. Unternehmen, die effektive Trennungsstrategien implementieren, passen sich in der Regel besser an sich ändernde Marktanforderungen an und weisen eine höhere Innovationsrate auf (McKinsey & Company, 2022).

Die Fähigkeit, positiv mit Trennungen umzugehen, ermöglicht es den Beteiligten, neue Wege zu beschreiten und neues Potenzial zu entfalten. Die Möglichkeit, sich von nicht mehr passenden Mitarbeitenden zu trennen, kann dazu beitragen, Talente anzuziehen, die besser zur Unternehmenskultur und zu den strategischen Zielen passen. Insofern können notwendige Veränderungen durch Trennungen zur Verbesserung der Effizienz und zur Förderung neuer Ideen führen.

Eine gelungene Trennungskultur ist unverzichtbar und beeinflusst die gesamte Unternehmenskultur und den Ruf eines Unternehmens massgeblich. Zudem unterstreicht sie die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung eines Unternehmens – denn, wenn Arbeitnehmende das Gefühl haben, dass sie fair und respektvoll behandelt wurden, steigt die Gesamtzufriedenheit der Mitarbeitenden, sie zeigen sich langfristig loyal gegenüber den Unternehmen und empfehlen diese als Arbeitgebende weiter.

Potenzielle Mitarbeitende achten bei der Aus- wahl ihrer Arbeitgebenden zunehmend auf die Unternehmenskultur und die Behandlung der Mitarbeitenden. Eine positive Trennungs- kultur kann das Image eines Unternehmens als mitarbeitendenfreundliche Arbeitgebende stärken und talentierte Fachkräfte anziehen. Gleichzeitig kann eine negative Trennungskul- tur potenzielle Bewerbende abschrecken und das Ansehen des Unternehmens schädigen.

 

Keine starke Unternehmenskultur ohne durchdachte Trennungskultur

Eine erfolgreiche Trennungskultur ist mehr als eine reine HR-Aufgabe – sie ist ein integraler Bestandteil der Unternehmenskultur. Wenn sie sorgfältig geplant und umgesetzt wird, kann sie zu einer positiven Veränderung des Arbeitsumfelds führen. Die Schaffung einer offenen, respektvollen und unterstützenden Atmosphäre während des Trennungsprozesses trägt dazu bei, dass Mitarbeitende das Unternehmen als sozial verantwortlich und mitarbeitendenorientiert wahrnehmen.

 

Fazit

Eine durchdachte, positive Trennungskultur kann das Image als Unternehmen verbessern und zu einer nachhaltigen Bindung von hoch qualifizierten Mitarbeitenden bei- tragen. HR-Fach- und Führungspersonen sollten sich darum bemühen, das Thema Trennung in ihrer strategischen Personalpolitik zu verankern und sich für die Implementierung einer positiven Trennungskultur starkmachen.

Eine gelungene Trennungskultur ist ein wesentlicher Bestandteil einer starken und mitarbeitendenorientierten Unternehmenskultur. Offene Kommunikation, Transparenz und Unterstützung für betroffene Mitarbeitende sind zentrale Elemente einer positiven Trennungskultur. Wenn Unternehmen den Trennungsprozess sorgfältig gestalten und die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigen, können sie die negativen Auswirkungen minimieren. Gleichzeitig zahlen die langfristigen positiven Effekte auf die Bindung der Mitarbeitenden, die Innovationskraft des Unternehmens und auf die Reputation als Arbeitgebende ein.

Die Gestaltung einer positiven Trennungskultur erfordert ein bewusstes Engagement von HR-Fach- und Führungskräften, die diese Veränderung aktiv vorantreiben sollten. Letztendlich kann eine gelungene Trennungskultur einen Unterschied für das Unternehmen, die Mitarbeitenden und die Gesellschaft als Ganzes bewirken. Es lohnt sich, in die Gestaltung einer positiven Trennungskultur zu investieren, um langfristige Vorteile für alle Beteiligten zu erzielen.

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